eine Doku über mich
Liebe Lesende,
am Dienstag wurde beim Youtube-Format "die Frage" vom BR eine kleine Dokumentation über meine Intergeschlechtlichkeit veröffentlicht. Diese findest du hier.
Nun möchte ich dazu ein paar Gedanken teilen. Zunächst möchte ich mich allerdings bei Samira und dem Team bedanken. Ihr habt mich sehr herzlich aufgenommen und ohne Vorbehalte und offen und ehrlich interviewt. Der Drehtag hat mir tatsächlich sehr viel Spaß gemacht. Danke dafür!
Im Juni bekam ich spontan eine Anfrage vom BR für dieses Interview und bin sehr spontan nach München gereist um das Interview mit Samira zu führen. Es sollte um meine Intergeschlechtlichkeit gehen und wir haben mehrere Stunden lang gedreht.
Die fertige Doku wurde von meinen Freunden und der Familie sehr positiv aufgenommen, aber es wurde bemängelt, dass sie so kurz ist. Und ja, auch das ist für mich überraschend. Sehr viel Material, das gedreht wurde hat es leider nicht in die Doku geschafft. Mir ist durch die Kommentare dann auch bestätigt worden, dass durch fehlende Informationen (die habe ich beim Drehtag mitgeteilt habe, es aber nicht ins Video geschafft haben) Verwirrung bei einigen Zuschauer:innen aufgetreten ist. Ich möchte zu einigen Punkten etwas sagen.
Welches Geschlecht habe ich?
Mein eingetragenes Geschlecht ist tatsächlich "divers", weil es inter* nicht als amtlichen Eintrag gibt. Ich selbst spreche von mir in der Regel davon, dass ich Fee bin. Ganz einfach - ohne ein Geschlecht festzulegen. Je nachdem wen man fragt stellt das Klinefelter-Syndrom eine Form der DSD (Variante der Geschlechtsentwicklung) und somit auch eine mögliche Intergeschlechtlichkeit dar. Dies ist aber ein sehr viel diskutiertes Thema. Deshalb verstehe ich auch, dass sich nicht jeder mit dem Gedanken "anfreunden" kann.
Möchte ich männlich oder weiblich gelesen werden?
Mir ist es wichtig, dass Menschen mich so akzeptieren wie ich bin. Ob sie mich dabei männlich, weiblich oder als divers lesen ist für mich nicht wichtig. Ich besitze einen männlichen und einen weiblichen Vornamen. Der weibliche ist Fee. Mir sind auch die Pronomen nicht wichtig. Er, sie, they oder dey - mit allem bin ich "fein".
Warum dann der Bart und das Testosteron?
Mein Bart ist für mich mein persönliches Symbol für meine Freiheit. Ich darf ihn tragen wie ich es möchte. Er hat für mich nichts mit dem Geschlecht zu tun. Viele kritisieren mich, weil er nicht den üblichen Vorstellungen eines männlichen Bartes entspricht. Das soll er aber auch gar nicht darstellen. Wir sollten weniger auf Äußerlichkeiten achten - es zählt doch wer wir im inneren sind.
Warum ich das Testosteron nehme obwohl ich ja gar nicht männlich sein möchte haben viele gefragt. Das ist etwas, dass im Video nicht vorkommt obwohl ich darüber gesprochen habe. Ich habe seit meiner Kindheit einen Testosteronmangel entwickelt, welcher ab etwa dem 12. Lebensjahr dazu geführt hat, dass ich regelmäßig mit Unterleibsschmerzen in der Notaufnahme gelandet bin. Dort wurde dieser aber nicht entdeckt. Bis zum 27. Lebensjahr bin ich etwa alle 2 Monate im Krankenhaus gelandet, es wurde allerdings nie die Ursache dafür gefunden. Meine Organe haben einen Hilfeschrei ausgesendet, der nie verstanden wurde. Wäre ich nicht diagnostiziert worden, würden meine Organe die nächsten Jahre versagen. Testosteron ist also Überlebenswichtig für mich, nur deshalb nehme ich das Hormon.
Welche Auswirkungen hat das Testosteron wirklich auf meinen Körper?
Seit 2020 nehme ich nun regelmäßig Testosteron zu mir. Dies wurde von meinem Körper und meiner Psyche unterschiedlich aufgenommen und hat sehr viel verändert. Dazu werde ich einen weiteren Beitrag schreiben, denn das würde den hier sprengen. Kurz gesagt, ich bin so stark wie noch nie und gleichzeitig führte es in eine starke Identitätskrise.
Wieso der Name Fee?
Ich habe sowohl meinen Namen als auch meinen Geschlechtseintrag ändern lassen. Dadurch habe ich nun 2 Vornamen. Der erste ist ein seltener männlicher Vorname, den ich im Netz aber nicht sagen werde. Mein zweiter Vorname ist Fee, welcher für viele eindeutig weiblich ist. Das darf er auch. Allein durch meinen Namen präsentiere ich bereits, dass ich weder eindeutig männlich noch weiblich bin. Privat dürfen mich die Personen ansprechen, wie sie es möchten - also mit dem männlichen oder weiblichen Vornamen.
Die Herkunft meines Namens Fee liegt in einer alten Redewendung meiner besten Freundin. Sie hatte mich als "meine gute Fee" bezeichnet. Daraus habe ich dann meinen Nicknamen "die gute Fee" abgeleitet, welchen ich viele Jahre getragen habe. Schlussendlich folgte dann daraus mein Vorname Fee. Deshalb wird er auch wie die Fee geschrieben und nicht zum Beispiel Feye.
Warum wurde die Diagnose nicht bereits in der Jugend gestellt?
Sind meine Eltern schuld an der späten Diagnostik?
Nein, meine Eltern trifft keine Schuld. Ganz im Gegenteil, meine Mutter hat bereits in frühem Kindesalter eine Veränderung festgestellt und die Ärzte darauf angesprochen. "Das verwächst sich" war sehr häufig eine Aussage der Ärzte. Meine Mutter hat viele Jahre lang alle möglichen Ärzte dazu befragt. Ich wurde von diversen Doktoren und auch Psychologen begutachtet. Nie ist eine Fachperson auf die eigentliche Ursache gekommen. Mit zunehmenden Alter ist auch mir mehrfach nicht geglaubt worden. Meine Symptome wurden runtergespielt oder mit Stress abgetan. Eine Depression sei die Ursache. Ich bekam eine Autismus-Diagnose, aber ich fühlte mich nie richtig als Autist. Autisten die ich kennen lernte waren komplett anders als ich.
Leider muss man sagen, dass die späte Diagnose davon kommt, dass Ärzte sich nicht mit der wirklichen Ursache beschäftigen wollte oder die Ursache einfach nicht kannten. Meine Mutter hat es sehr mitgenommen, dass niemand helfen konnte oder wollte. Deshalb liegt die Schuld nicht bei meinen Eltern.
"Aber das ganze hat doch nichts mit KS zu tun!"
Ich verstehe die Gefühle hinter dieser Aussage und gebe recht, dass es in der Doku nicht klar dargestellt wurde. Mir wurde gesagt, es wird eine Doku über Intergeschlechtlichkeit. Im Video wurde der Fokus allerdings sehr auf das Klinefelter-Syndrom gelegt. Das verzehrt ein wenig worüber ich spreche und was am Ende bei den Zuschauern ankommt. Wie bereits erwähnt, ist das Thema "KS und Intergeschlecht" ein kontroverses Thema, es wird sehr viel darüber diskutiert. Es gibt Menschen die sagen KS ist eindeutig männlich und hat nichts mit inter* zu tun, andere gehen davon aus es ist eine DSD und kann Intergeschlechtlichkeit möglich machen. Ich möchte mich dazu nicht wirklich äußern. Mir war es nie wichtig zu betonen, dass ich Klinefelter habe und deshalb inter* bin. Mir ist wichtig, dass Personen mich als Mensch wahrnehmen und mich akzeptieren.
Ich verstehe auch die Kommentare, welche sich darüber aufregen, dass das KS hier falsch dargestellt wurde. Wie oben beschrieben ist mir bewusst, dass es da unterschiedliche Auffassungen zu gibt. Ich wollte niemanden mit meinen Aussagen diskriminieren oder sagen "so sind alle KS". Es sollte ein Doku über mich werden.
Warum ich so viel wiege
Also eigentlich geht es niemanden an, warum und wie viel ich wiege. Aber es wurde häufiger in den Kommentaren genannt und ich mag dazu etwas sagen: habt ihr euch mal wirklich mit KS-Symptomen befasst?
Dadurch dass meinem Körper Testosteron fehlte, haben sich meine Muskeln zurück gebildet. Als Folge konnte ich so gut wie nichts mehr heben. Umzüge waren für mich immer eine Katastrophe, auch weil viele nicht verstanden warum ich nicht mit half. Es ist außerdem so, dass durch den veränderten Organismus im Körper eine andere Fettverteilung und ein anderer Stoffwechsel statt findet, was dazu führt, dass viele KS Patiente mit den Jahren immer mehr zunehmen (selbst dann wenn sie sich gesund ernähren). Dass ich keine Muskeln aufbauen konnte und die Kommentare und Blicke haben meine negativen Gefühle angefeuert. Das alles, inklusive einer schlechten Ernährung, haben schlussendlich zu meinem hohen Gewicht geführt. Durch das Testosteron konnte ich zum ersten Mal Muskeln aufbauen und trainieren. So nehme ich nun Stück für Stück ab, aber bis man das wirklich sieht wird es eben ein wenig dauern.
Die Zuschauenden haben nur einen kurzen Augenblick meines Lebens gesehen, scheinen aber genau zu wissen, dass ich nicht abnehme oder Sport treibe. Ihr wisst gar nichts und versteht scheinbar nicht einmal was diese Erkrankung für Auswirkungen haben kann.
Früher sahst du weiblich aus
Stimmt, in meiner Kindheit und Jugend wurde mir öfters die Frage gestellt ob ich weiblich oder männlich sei. Ohne meinen Bart sehe ich tatsächlich auch heute noch als "nicht eindeutig erkennbar" aus. Ich bin also bereits vom eigentlichen Aussehen her nicht eindeutig identifizierbar. Und den Bart trage ich wie gesagt auch nicht aus Gründen der Männlichkeit.
meine Sexualität und eine falsche Aussage
In einem Kommentar wird darauf eingegangen, dass die Person es sehr verwerflich findet wie ich über Pansexualität rede. Und ja dies war mir auch schon kurz nach dem Dreh aufgefallen, aber es fand dann doch ins Video. Ich möchte mich dazu nun äußern.
Pansexualität bedeutet, dass man sich nicht zu einem bestimmten Körperschema hingezogen fühlt sondern einen vor allem Dinge wie der Charakter und andere Eigenschaften erregen bzw. anziehen. Es gibt sehr viele Menschen die sich durch diese Definition angegriffen fühlen, weil sie sagen, dass sie ja trotz bspw. Homosexualität auch den Charakter attraktiv finden. Das ist vollkommen okay. Es geht bei der Pansexualität nicht darum zu sagen, dass andere nicht auch nach Charakterzügen sich Partner:innen aussuchen. Es geht viel mehr darum, dass zusätzlich zum Charakter keine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern statt findet. Mir ist egal ob meine Partnerperson männlich, weiblich, inter* oder trans* ist. Homosexuelle Menschen stehen auf das eigene Geschlecht - das ist die Definition dieser Sexualität. Das soll Pansexualität eigentlich aussagen - es geht nicht darum andere schlecht zu reden.
In meinem Fall ändert sich dahingehend aber etwas, dass ich durch das Testosteron ein bestimmtes körperliches Schema attraktiver finde als andere. Das ist in meinem Fall das feminine.
Ich entschuldige mich, dass ich dies im Video nicht deutlicher dargestellt habe. Aber auch für mich war der Tag sehr anstrengend und es war das erste Mal, dass ich vor einer Kamera stand.
Dating, Partner & alles was dazu gehört
Über das Thema wurde ja nur wenig berichtet, der eigentliche Dreh dazu war viel länger. Ich möchte das Thema gar nicht so groß teilen, aber wichtig für mich ist: auch ich werde geliebt und anders als manche Kommentare vermuten auch mit meinem Gewicht und dem Bart. Nicht alle Menschen achten auf Äußerlichkeiten. Das sollten vielleicht ein paar Menschen mal überdenken.
Abschluss
Zum Ende kann ich nur sagen, dass ich die Doku gut fand, auch wenn sehr viel vom Dreh es nicht ins Video geschafft hat. Ich danke Samira, Tim & Sophie! Auch danke an alle die so liebe Kommentare schreiben. Ich lese jeden einzelnen und versuche zu antworten.
Und für alle die meine Musik im Hintergrund gehört haben und mehr davon wollen: ihr könnt mich auf allen bekannten Plattformen unter dem Namen "Prins Fee" finden, ich bin der mit der musikalischen Weltreise ;)

